25.03.2019
Der DGB-Index Junge Beschäftigte 2019

Die neuen Arbeitsformen bedeuten oft genug nur Arbeitsverdichtung. Die Sonderauswertung Junge Beschäftigte zum DGB-Index Gute Arbeit.

Wie nehmen junge Menschen die Veränderungen im Zuge der Digitalisierung bisher wahr? Führt der digitale Wandel, wie von vielen Arbeitgebern versprochen, zu einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben? Oder sind junge Beschäftigte durch die Digitalisierung mehr Stress ausgesetzt? Welche Belastungen erfahren junge Menschen besonders häufig und welche Erwartungen haben sie an die Arbeitgeber? Diese und weitere Fragen beantwortet die 7. Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit im Auftrag der DGB-Jugend.

Wenn Arbeitgeber von der Digitalisierung der Arbeitswelt sprechen, meinen sie meist eine Entgrenzung der Arbeitszeiten und die ständige Verfügbarkeit von Mitarbeiter_innen. Für die Beschäftigten bedeutet dies aber Stress: Psychische Belastungen, fehlende Erholungszeiträume und eine Erhöhung des Anforderungsprofils vieler Berufe sind das Resultat einer solchen Flexibilisierung. Aufgrund dieser Risiken und Herausforderungen ist es nötig, dass der digitale Wandel durch die Gewerkschaften und Gewerkschaftsjugend besonders begleitet und kritisch mitgestaltet wird.

Bei allen Herausforderungen kann die Digitalisierung auch Vorteile für Beschäftigte bringen: Eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Privat- und Arbeitsleben durch eine größere Souveränität über die Arbeitszeit oder die Vermeidung von anstrengenden, gefährlichen und monotonen Aufgaben mittels Robotern sowie eine Verkürzung der generellen Arbeitszeit.

Die Studie der DGB-Jugend macht deutlich, dass die bisherigen Erfahrungen mit der Digitalisierung für junge Menschen eher negativ sind. Denn aktuell bedeutet die Digitalisierung vor allem eine Verdichtung der Arbeitszeit. Fast die Hälfte der jungen Beschäftigten (45 Prozent) gibt an, dass die Digitalisierung zu einer Erhöhung der Arbeitsmenge geführt hat. Über drei Viertel der Befragten (76 Prozent) fühlen sich dabei der Technik ausgeliefert: Die Software gibt den Takt vor, nach dem gearbeitet werden muss. Von selbstbestimmten Arbeitszeiten durch die Digitalisierung ist bisher in der Realität nichts zu sehen.

Eine von Arbeitgebern ebenfalls oft beschworene Verbesserung im Zusammenspiel von Privat- und Berufsleben können die meisten jungen Beschäftigten ebenfalls nicht erkennen: Von den in hohem und sehr hohem Maß von Digitalisierung betroffenen Beschäftigten sehen 66 Prozent keine Verbesserung dieser Vereinbarkeit, zwölf Prozent nehmen sogar eine Verschlechterung wahr. Von den Vorteilen profitieren bisher also vor allem die Arbeitgeber.

"Es ist Zeit, dass junge Beschäftigte von den Veränderungen der Arbeitswelt profitieren und vor den Risiken geschützt werden."
Manuela Conte

Ein zu geringes Einkommen, Sorgen um die spätere Rente und Vorsorge sowie mangelnde Arbeitsplatzsicherheit bedrücken mehr als die Hälfte der Befragten. Die Zukunftsängste von jungen Arbeitnehmer_innen lassen sich dabei auch auf ihre Beschäftigungsverhältnisse zurückführen. Auch weiterhin sind sie im Vergleich zu älteren Beschäftigten besonders häufig von atypischer Beschäftigung betroffen – fast die Hälfte der unter 25-Jährigen (48 Prozent) befindet sich in nicht-regulären Beschäftigungsverhältnissen. Leider besteht auch hier weiterhin dringender Handlungsbedarf.

Erfreulich ist, dass sich die Bewertung der Arbeitsqualität in den vergangenen Jahren insgesamt ein wenig verbessert hat. Dies ist auch auf die erfolgreiche Tarifpolitik der Gewerkschaften und Maßnahmen wie die Einführung des Mindestlohns zurückzuführen. DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte: "Der digitale Wandel bietet gute Chancen für eine generelle Verbesserung der Arbeitsqualität vieler Menschen. Hierfür braucht es aber eine Mitgestaltung und Mitbestimmung durch die betriebliche Interessenvertretung und Gewerkschaften und klare Regelungen durch den Gesetzgeber. Es ist Zeit, dass junge Beschäftigte von den Veränderungen der Arbeitswelt profitieren und vor den Risiken geschützt werden."


(aus der Soli aktuell 4/2019, Autorin: Soli aktuell)

 

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